Forschungsstipendium · 2026

Claudia Kudinova: „Vom Licht“ – Licht und Wahrnehmung im Werk von Günther Uecker und ihre Vermittlung im musealen Kontext

Claudia Kudinova widmet sich in ihrem Forschungsvorhaben der Untersuchung kunstvermittlerischer Perspektiven auf das Werk von Günther Uecker. Das Vorhaben geht dabei von einer zentralen Annahme aus: Als Träger von Wahrnehmungsräumen lassen die Werke des Künstlers das Museum über verschiedene Medien hinweg immanent zu einem Erfahrungsraum werden. Dem Phänomen Licht kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. An der Schwelle von Immaterialität und Materialität sowie Bildraum und Realraum fungieren Licht – und der damit hervorgebrachte Schatten – als Agenten der bildnerischen Wirkung im jeweiligen Ausstellungskontext. Licht ist dynamisch und mehrsinnig bestimmt; darin ist es seinerseits Medium der Reflexion von Wahrnehmung als einer, die variabel, abhängig von Bewegung, Dauer, Aufmerksamkeit sowie innerer Disposition ist und sich zwischen Werk, Raum sowie Betrachter*in ereignet. Das Forschungsvorhaben geht zentral der Frage nach: Wie wird diese mehrsinnige Bestimmung von Licht in Günther Ueckers Kunstwerken erfahren? Damit verbunden gilt es die angeregten Wahrnehmungsprozesse selbst – jenseits gängiger inhalts- und bedeutungsorientierter Erklärungsroutinen – zu thematisieren. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der für Günther Uecker werkimmanenten Strategie der Reduktion. Die Momente der Entschleunigung und Introspektion in den Blick rückend, gilt es der Frage nachzugehen, inwiefern diese mögliche Erkenntnisfelder der Wahrnehmung eröffnen.

Das Stipendium zur Förderung des Projektes wurde in Kooperation mit dem Staatlichen Museum Schwerin vergeben.

Beteiligte
Claudia Kudinova

Claudia Kudinova ist Kunst- und Bildhistorikerin mit einem Fokus auf die Nachkriegsavantgarde und zeitgenössische Kunst. Sie studierte Deutsche Literatur sowie Kunst- und Bildgeschichte in Berlin und Bildtheorie in Basel. Seit 2019 leitet sie die Galerie Volker Diehl für zeitgenössische Kunst in Berlin. Seit 2023 promoviert sie am Lehrstuhl für Geschichte und Theorie der Form am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin zum Werk Hal Busses.

Von Anfang 2023 bis Anfang 2026 war Kudinova Promotionsstipendiatin der Gerda Henkel Stiftung in Düsseldorf und ist seit April 2024 assoziiertes Forschungsmitglied und Doktorandin des interdisziplinären Exzellenzclusters „Matters of Activity. Object Space Agency“ der Humboldt-Universität. 2023/2024 sowie 2025 übernahm sie Lehraufträge am dortigen Institut für Kunst- und Bildgeschichte und lehrte zur ZERO-Avantgarde sowie zu dem Material in der Kunst der 1950er bis 1970er Jahre. Kudinova ist außerdem sowohl in ihrer Rolle als Galerieleitung als auch darüber hinaus kuratorisch tätig.